Die Steenkamper

Heimstättervereinigung Steenkamp e.V.

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85 Jahre Steenkampsiedlung 2005

Aus dem Steenkamp Ausgabe 1/2005
Text: Matthias Raabe
Fotos: stellt Frau Baljöhr zur Verfügung

85 Jahre Steenkampsiedlung

Was können uns 85 Jahre Steenkampsiedlung bedeuten? Ein Grund zum Feiern? Einige Gedanken dazu …

Der erste Weltkrieg war vorbei, und den Heimkehrern sollte eine Heimat angeboten werden, in der sie zusammen mit ihren Familien ein fortan erholsames Leben führen können sollten. Zur Gartenbauaustellung 1914 in Hamburg fand zu diesem Thema eine Architektenausschreibung statt. Gewinner wurden die Musterhäuser, die heute noch in unveränderter Form im Riemenschneiderstieg zu sehen sind.

Man entschied sich jedoch für eine geänderte Bauform. Einheitliche Bemaßungen sollten eine kostenoptimierte Bauweise gewährleisten. Baumaterial war unter anderem Schlackebeton – kostengünstig und aus naher Quelle beziehbar. Die Gärten sah man zum Anbau von Obst und Gemüse vor, am Gartenende ein kleiner Stall für Kaninchen oder Hühner. Es gab eine eigene Versorgergenossenschaft, Ärzte, Lebensmittelläden. Eine kleine, eigenständige Siedlung vor den Toren Altonas also. Später sollten die Wohnungen in Eigentum der Mieter übergehen. Über dem Steenkampsaal hatte die Verwaltung ihren Sitz, die spätere SAGA. Der Saal war, wie auch heute
noch, als Zentraler Treffpunkt für alle Siedler gedacht. Daneben die Wirtschaft, schräg gegenüber die „Produktion“ mit zwei weiteren Lebensmittelgeschäften u.s.w. Später kam der Grotenkamp hinzu, bald gingen die Wohnungen des Riemenschneiderstieg in Privateigentum über. Viele Jahrzehnte lang blieb die Steenkampsiedlung ein Vorzeigeobjekt bautechnischer und bauplanerischer Perfektion, wurde von seinen Mietern (daP- mals Siedler genannt) liebevoll gepflegt. Zu Festen schmückte man die Häuser und Straßenzüge üppig. Die SAGA betrieb dort, wo heute das Kinderhaus Wichmannstraße steht, eine eigene Werkstatt, die mit viel Liebe und eigenen Handwerkern die Häuser instand hielt.

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Die gesamte Siedlung war als Wohnsiedlung konzipiert. Somit entfiel der kostenaufwändige Bau von breiten, befestigten Straßen. Lediglich der Steenkamp erhielt Bürgersteige und eine breite Wegführung. Draus erklärt sich auch der heutige Parkplatzmangel.
Erst später, nach dem Bau des Grotenkamp, erhielt die Siedlung die Schule (damals Schule Osdorfer Weg 24), die teilweise auf moorigem Untergrund errichtet wurde und deswegen heute teils statische Probleme aufzeigt. Seinerzeit lebten in jeder Wohnung teils mehrere Familien, es gab eine Kohle- Warmluftheizung (wenn überhaupt), einen Kaltwasseranschluss mit Handstein und Kohleherd in der Küche, eventuell eine Badewanne auf Füßen, daneben anstatt eines Waschbeckens eine Wasserschüssel mit Wasserkrug zum Waschen und die Toilette …

 

Erst nach und nach modernisierten – zumeist die Mieter selber – ihre Wohnungen. Die Werkstatt der SAGA brannte eines Tages ab. Folge war, dass Reüaraturen bald nur noch von Fremdfirmen erledigt wurden. Die meisten Arbeiten jedoch erledigten die Mieter lieber selber – da wusste man wenigstens, was man bekam.

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Das ist ein ganz kleiner Ausschnitt aus der Geschichte unserer Siedlung. Beiweitem nicht vollständig. Aber doch interessant, oder? Deswegen möchten wir zum Jubiläum der Steenkampsiedlung und der Heimstättervereinigung Steenkamp e.V. Führungen durch unsere Siedlung anbieten. Besonders interessant sicher für unsere Nachbarn, die neu in die Siedlung gezogen sind.